Einbruchschutz am Fenster beruht auf drei Bausteinen: einem geprüften Gesamtsystem nach DIN EN 1627 (Widerstandsklassen RC 1 N bis RC 6), einer fachgerechten Montage und sinnvoller Nachrüstung wie abschließbaren Griffen oder zusätzlichen Verriegelungen. Für Wohnhäuser nennt die Polizei Fenster ab RC 2 als empfehlenswerte Basis. Ob sich ein Austausch oder eine Nachrüstung eignet, hängt vom Bestand ab.
Wie Einbrecher Fenster angehen
Bei Fenstern und Fenstertüren setzen Täter in der Regel auf Aufhebeln mit Werkzeug wie einem Schraubendreher oder Brecheisen. Wer das Fenster aus dem Rahmen drückt, kommt meist leise und schnell ins Haus. Besonders anfällig sind Fenster im Erdgeschoss, an der Gebäuderückseite und in Kellerbereichen, die von der Straße schlecht einsehbar sind. Gekippte Fenster zählen nicht als gesichert, denn sie lassen sich mit wenig Aufwand öffnen.
Die gute Nachricht: Ein erheblicher Teil der Taten scheitert. Je länger ein Täter für einen Zugang braucht und je mehr Lärm entsteht, desto häufiger bricht er ab. Mechanische Sicherungstechnik wirkt genau an dieser Stelle, sie bremst den Zugang, statt ihn nur zu melden.
Datenpunkte zum Einbruchgeschehen
| Kennzahl | Wert | Quelle, Stand |
|---|---|---|
| Erfasste Wohnungseinbrüche (inkl. Versuche) 2024 | 78.436 Fälle (2023: 77.819) | Polizeiliche Kriminalstatistik (BKA) 2024, abgerufen 21.10.2026 |
| Aufklärungsquote 2024 | 15,3 % | Polizeiliche Kriminalstatistik (BKA) 2024, abgerufen 21.10.2026 |
| Anteil gescheiterter Einbrüche (Versuche) | 45,3 % im Jahr 2019 (2018: 45,4 %) | Polizeiliche Kriminalstatistik 2019, Zusammenfassung der Polizeilichen Kriminalprävention, Stand 2019 |
| Widerstandsklassen für einbruchhemmende Fenster | sechs Klassen, RC 1 N bis RC 6; ab RC 2 laut Polizei uneingeschränkt empfehlenswert | DIN EN 1627, Herstellerverzeichnis der Polizei, abgerufen 21.10.2026 |
Einordnung: Die Fallzahlen liegen weit unter dem Höchststand von 167.136 Fällen im Jahr 2015, ein Anteil von knapp der Hälfte der Taten bleibt im Versuch stecken. Die Zahlen sagen etwas über das Gesamtbild, nicht über das Risiko einer einzelnen Wohnung.
RC-Klassen nach DIN EN 1627 verständlich erklärt
Die Norm DIN EN 1627 beschreibt Widerstandsklassen für Fenster, Türen und Abschlüsse. Geprüft wird nicht das einzelne Bauteil, sondern das Gesamtsystem aus Rahmen, Beschlag, Verglasung und Einbau. So soll sichergestellt sein, dass es in der Konstruktion keinen schwachen Punkt gibt. Eine höhere Klasse bedeutet, dass die Prüfung mit stärkerem Werkzeug und längerer Prüfdauer bestanden wurde.
| Klasse | Einordnung | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| RC 1 N | Basisschutz ohne Anforderungen an die Verglasung; laut Polizei nur eingeschränkt empfehlenswert | Nebenräume, nach Beratung |
| RC 2 N | Erhöhter Schutz, aber ohne Sicherheitsverglasung; nur eingeschränkt empfehlenswert | Nach Absprache mit der Beratungsstelle |
| RC 2 | Geprüftes Gesamtsystem mit Sicherheitsverglasung; laut Polizei uneingeschränkt empfehlenswert | Erdgeschoss und leicht erreichbare Fenster im Wohnhaus |
| RC 3 | Höhere Widerstandsfähigkeit gegen stärkeres Werkzeug | Gefährdete Lagen, erhöhte Sicherheitsanforderungen |
| RC 4 bis RC 6 | Sehr hohe Widerstandsklassen für Sonderfälle | Gewerbe, besondere Schutzbedürfnisse |
Bei den N-Varianten entfallen die Anforderungen an die Verglasung. Die Polizei empfiehlt, den Einsatz dieser Varianten mit der örtlichen kriminalpolizeilichen Beratungsstelle zu klären.
Neue Fenster oder Nachrüstung?
Wer ohnehin Fenster tauscht, kann einbruchhemmende Ausführungen gleich mit einplanen. Die Mehrkosten liegen im Vergleich zu Standardfenstern in der Regel in einer mittleren Preisklasse, abhängig von Klasse, Größe und Material. Den Rahmen für den Austausch zeigt die Pillar-Seite Verglasung und Wärmeschutz: Uw-Wert, Glasarten und Effizienz, denn auch die Verglasung beeinflusst Schutz und Dämmung.
Bestehende Fenster lassen sich oft nachrüsten, ohne das Fenster zu tauschen. Gängige Maßnahmen:
- Abschließbare Fenstergriffe: verhindern, dass ein Täter nach dem Einschlagen oder Aufbohren der Scheibe den Griff drehen kann.
- Zusatzschlösser und Bandseitensicherungen: verstärken Rahmen und Flügel an Schwachstellen.
- Pilzkopfverriegelung: greift in verstärkte Schließbleche und erschwert das Aushebeln.
- Sicherheitsfolie auf der Scheibe: verzögert den Durchgriff, ersetzt aber keine geprüfte Verglasung.
- Gitter und Rollläden: halten Täter zusätzlich auf, sofern sie zugfest montiert sind.
Wichtig: Nachrüstprodukte sollten ein Prüfzeichen nach DIN 18104 tragen. Die kriminalpolizeilichen Beratungsstellen führen Herstellerverzeichnisse geprüfter Produkte und beraten kostenfrei.
Einbruchschutz und andere Anforderungen verbinden
Ein einbruchhemmendes Fenster muss mehr können als nur sicher sein. Wer zugleich Lärm von der Straße dämpfen möchte, findet Hinweise auf der Seite Schallschutzfenster: Klassen, Aufbau und Wirkung. Schwere Verglasungen mit Verbundsicherheitsglas bringen oft nebenbei eine bessere Schalldämmung mit. Gleichzeitig steigt das Gewicht des Flügels, was robuste Beschläge und eine saubere Einstellung erfordert.
Selbst machen oder Fachbetrieb?
| Maßnahme | Selbst machen | Fachbetrieb |
|---|---|---|
| Abschließbaren Fenstergriff tauschen | Meist gut machbar | Bei Unsicherheit |
| Zusatzschloss oder Bandseitensicherung | Mit Erfahrung machbar, auf stabile Befestigung achten | Empfohlen für tragende Verschraubung |
| Sicherheitsfolie aufbringen | Bedingt, saubere Verarbeitung nötig | Empfohlen für Rand-Verklebung |
| Austausch gegen RC-2-Fenster | Nicht empfohlen | Ja, Montage entscheidet über die Wirkung |
| Rollladen oder Gitter montieren | Nur bei einfachen Systemen | Ja, bei Vorbau und Zugfestigkeit |
Schritt für Schritt: Fenster im Bestand prüfen
- Alle Fenster und Fenstertüren im Erdgeschoss und in leicht erreichbaren Lagen notieren.
- Beschläge und Griffe auf Spiel, Verschleiß und Befestigung prüfen.
- Prüfen, ob die Fenster Sicherheitsverglasung und eine Widerstandsklasse besitzen. Hinweise stehen oft am Falz oder in den Unterlagen.
- Schwachstellen priorisieren: zuerst Rückseite, Terrassentür, Keller.
- Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle kontaktieren und geprüfte Produkte oder Betriebe erfragen.
- Maßnahmen umsetzen und die Fenster nach der Montage auf leichte Bedienbarkeit testen.
Häufige Fragen
Reicht RC 2 für ein Einfamilienhaus?
Für typische Wohnlagen nennt die Polizei Fenster ab RC 2 als sinnvolle Basis. Ob eine höhere Klasse nötig ist, klärt die Beratungsstelle im Einzelfall.
Sind gekippte Fenster ein Risiko?
Ja. Ein gekipptes Fenster gilt nicht als gesichert und lässt sich mit geringem Aufwand öffnen. Beim Verlassen der Wohnung sollten Fenster geschlossen und verriegelt sein.
Kann ich einen Fenstergriff mit Schloss einfach nachrüsten?
In vielen Fällen ja. Der Griff muss zur Beschlagsituation passen. Im Zweifel hilft ein Fachbetrieb bei der Auswahl.
Gibt es Förderung für Einbruchschutz?
Für Einbruchschutzmaßnahmen existierten in der Vergangenheit KfW-Programme. Aktuelle Bedingungen und Verfügbarkeit sind direkt bei der KfW zu prüfen.
Wer berät kostenlos?
Die kriminalpolizeilichen Beratungsstellen bieten neutrale Beratung und verweisen auf geprüfte Produkte.
Hinweis, Stand 21.10.2026: Dieser Beitrag ist eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine individuelle Sicherheitsberatung. Zahlen stammen aus den genannten Quellen und können sich ändern. Für die Montage einbruchhemmender Bauteile gilt: im Zweifel Fachbetrieb beauftragen, Produkte und Normstand vorab prüfen.
